1 Namensherkunft

Goth(ic) (eigtl. "gotisch", hier im Sinne von "düster, schaurig") fand Ende der 1970er für einen Stil der Rockmusik aus dem Post-Punk-Umfeld Verwendung und wurde ab 1982/1983 auf die Anhänger der dazu entstehenden Jugendkultur übertragen. Die Bezeichnung ist dabei nicht - wie so oft vermutet - an das Volk der Goten, an das Zeitalter der Gotik oder an die Gothic Novels angelehnt, sondern geht grundsätzlich auf einen in England entstandenen Musikstil zurück, der aufgrund seines dunklen und dumpfen Klanges und seiner verwendeten Themen als "schaurig" empfunden wurde. Demgemäß existierte zwischen der Gothic-Szene und der Gotik- bzw. Neogotik-Epoche kein direkter Bezug, wie er in den nachfolgenden Jahrzehnten hauptsächlich von Außenstehenden fehlinterpretiert wurde.

Gothic Im deutschen Sprachraum nutzte man gleichzeitig Bezeichnungen wie "Gruftis" oder szene-übergreifend "Schwarze" oder "Waver", da sich Gothic in den 1980ern weder als Genrebegriff noch als Bezeichnung für eine Subkultur über britische Grenzen hinaus weitläufig etablieren konnte. In Kanada und den USA geschah dies erst um etwa 1988, im mitteleuropäischen Raum zu Beginn der 1990er, obgleich Gothic als Selbstbezeichnung schon seit 1988 in Ost-Berlin belegt ist.
Grufti galt in Teilen Deutschlands lange Zeit als negativ besetzte Bezeichnung, die später von den Szenemitgliedern jedoch zunehmend als saloppe Selbstbezeichnung verwendet wurde. Gegenwärtig wird der Begriff Grufti im deutschen Sprachraum für die Gothic-Generationen der 1980er und frühen 1990er Jahre genutzt, die musikalisch und outfitmäßig noch stark in der Post-Punk- und New-Wave-Bewegung verhaftet waren. Konträr dazu wurde er jedoch größtenteils aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verdrängt.

Gothic Ferner waren in der DDR und Teilen Berlins Bezeichnungen wie Ghouls, Outs oder Darks geläufig, letzteres findet sich auch in Ländern wie Italien oder Mexiko wieder. In einigen Gebieten Deutschlands, wie NRW, war zudem die Selbsttitulierung Krähen geläufig, was annähernd der Bezeichnung les corbeaux ("die Raben") entspricht, französische Gothic- und Wave-Anhänger in den 1980ern für sich nutzten und die sich auf deren Erscheinungsbild bezog. Goth, in seiner Mehrzahl Goths genannt, hat sich bis heute in vielen Teilen der Welt etabliert. In Deutschland ist daneben die entsprechende Übersetzung Goten sowie die grammatikalisch inkorrekte Bezeichnung Gothics verbreitet...

2 Die Szene

Über den Umfang der Gothic-Bewegung ist bisher wenig bekannt. Eine Marktstudie aus den späten 1990er Jahren geht, hinsichtlich der Szene in Deutschland, von etwa 60.000 Anhängern aus, obgleich diese Zahl als unrealistisch gilt, da sie neben der tatsächlichen Gothic-Kultur auch Teile der gesamten Schwarzen Szene und zahlreiche Sympathisanten mit einbezieht. Gothic Auch ein Wachstum der Gothic-Szene innerhalb der letzten 10 Jahre, das um die Jahrtausendwende mehrmals prognostiziert wurde, wird hierbei szene-intern stark angezweifelt. Stattdessen wird seit Ende der 1990er Jahre eine sukzessive Rückbildung angenommen, die dem Niedergang der Gothic-Musik zugrunde liegt. Die Gothic-Szene gilt als ästhetisch orientierte Subkultur, deren Mitglieder als friedlich, aber auch als wirklichkeitsfremd, unnahbar oder elitär wahrgenommen werden.Die Durchschnittsbevölkerung wird von Teilen der Gothic-Kultur negativ kritisiert, etwa als konservativ, konsumorientiert, intolerant, egoistisch und vom Gesetz der sozialen Bewährtheit geleitet. Aus der Ablehnung dieser Eigenschaften resultiert eine demonstrative Distanzierung zur Gesellschaft. Aus dem Versuch der Bewältigung der Zwänge, der emotionalen Kälte und der Vereinheitlichung des Individuums in der heutigen Gesellschaft, treten wiederum die Ideale des Individualismus und die zelebrierte Melancholie hervor.Ein charakteristisches Lebensgefühl, das alle Angehörigen der Gothic-Szene miteinander teilen, gibt es nicht. So werden zwar philosophische, religiöse sowie politische Fragen unter Goths durchaus thematisiert, allerdings nicht einheitlich beantwortet. Gothic Einige Goths bevorzugen "ihrer Rückzugsintention entsprechend" Orte der Stille, Einsamkeit und Besinnung auf, die häufig eine Atmosphäre von Tod, Trauer, Leid, Frieden und Vergänglichkeit ausstrahlen. Dennoch ist die Gothic-Szene keine Trauerkultur. So gibt es etliche Goths, die sich primär an dunklen, mystischen oder okkulten Dingen erfreuen und versuchen, diese Seite ihrer Persönlichkeit auszuleben. Die Akzeptanz des Todes als natürlichen Bestandteil des Lebens wird häufig nach außen getragen. Vereinzelt lässt sich jedoch ein Hang zur Existenzphilosophie erkennen, die neben dem Reinkarnationsgedanken auch die Erkenntis über die Vergänglichkeit und die damit assoziierte Sinnlosigkeit des Lebens impliziert, aus der sich wiederum negative Gemütszustände wie Gleichgültigkeit, Resignation oder Todessehnsucht entwickeln können.Eine gewisse Sehnsucht nach dem Mittelalter und seinen Mythen und Sagen ist bei einigen Szenemitgliedern anzutreffen. Dabei handelt es sich jedoch häufig um ein romantisiertes Bild des Mittelalters, das etliche Goths vor Augen haben und das oft eine Flucht vor der realen Welt ermöglichen soll. Doch auch andere Epochen, wie beispielsweise die Elisabethanische und Viktorianische Epoche, die Gründerzeit sowie das Fin de siècle, ziehen das Interesse der Gothic-Kultur auf sich.

Gothic

Viele Goths pflegen ein starkes Traditionsbewusstsein und behalten ihren Lebensstil oder die damit verbundenen Vorlieben (u. a. für Musik und Kleidungsstil) weit bis ins Erwachsenenalter bei. Im Unterschied zu klassischen Jugendkulturen entsteht so ein altersübergreifender Dialog. Oft zieht die Entscheidung, sich der Gothic-Szene anzuschließen, viele private, schulische und berufliche Konflikte nach sich. In Einzelfällen kann diese Entscheidung die Bindung an die Eltern oder andere Familienangehörige komplett zerstören, z. B. dann, wenn das Familienleben schon vorher stark belastet und unharmonisch war.

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