Grauen

Das Grauen bezeichnete ursprünglich eine starke Form eines Gefühls des Unheimlichen (v.
mittelhochdeutsch gruwe = Schauder). Wer es empfand, dem graute es. In der gehobenen Umgangssprache wird es noch verwendet, sank aber im Übrigen ab - vgl. die Feststellung Das ist ja grauenhaft! bei einem alltäglichen Malheur oder Fehler. Kindern wird noch zugebilligt, sich zu graulen oder zu gruseln. Abgeleitet davon sind die Wörter Grausamkeit und Gräuel.
Als
Grauen erweckend waren zumal Friedhöfe des Nachts oder dunkle Wälder angesehen, bis sich diese Alltagserfahrung im 19. Jahrhundert verlor. Für Kinder spielt es noch eine Rolle: dunkle
Keller, erschreckende Kostümierungen. Kommerziell wird es stark in einem besonderen Genre des (zumeist
US-amerikanischen) Spielfilms verwandt, wo in Europa harmlose Figuren (z.B. der Clown) grauenvolle Züge annehmen (vgl. auch: Poltergeist, Alien und anderes mehr), z.T. auch wieder durch habituell komische Züge entschärft ("Grusical").
Zitate
- Märchen
der Brüder Grimm: "Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu
lernen."
- Goethe gebraucht am Ende des Ersten
Teils seines Faust das Wort
"Grauen" hochemphatisch, mit Gretchens Aufschrei: "Heinrich! Mir grauts
vor dir!"
- Friedrich Schiller benutzt das Wort
als ebenfalls nachdrücklichen
Schlusspunkt, wenn sein "Taucher" alle Welt davor warnt, sich von der
Freude abzuwenden:
"[
... ] es freue sich,
wer
da atmet im rosichten Licht!
Da
unten aber ists fürchterlich,
und
der Mensch versuche die Götter nicht,
und
begehre nimmer und nimmer zu schauen,
was
sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen."
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